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Der neue Kirchenführer von St. Xaver

Wenn man auf Leoben zufährt, sieht man schon aus der Ferne die große ehemalige Jesuitenkirche mit ihren die Stadt überragenden mächtigen beiden Türmen. Etwas vom Hauptplatz abgelegen und doch ganz in der Stadtmitte nimmt sie einen zentralen, ortsdominierenden Platz ein und lädt ganz einfach ein, hineinzugehen. Und wer dies dann auch tut, wird überwältigt sein vom Glanz und der Schönheit dieses Gotteshauses, das zur größeren Ehre Gottes erbaut wurde.

„Nur ein Provisorium“ – so bezeichnete mein Vorgänger Stadtpfarrer Dr. Oskar Veselsky den letzten Kirchenführer, der im Jahre 1997 herausgegeben wurde, weil zum damaligen Zeitpunkt gerade eine groß angelegte Innenrenovierung im Gange war. Inzwischen wurde diese abgeschlossen und das Innere der Kirche kann in seiner Pracht und Herrlichkeit bewundert werden.

Dennoch: Jedes Gotteshaus, sei es eine so mächtige Kirche wie unsere oder auch eine schlichte Dorfkirche, ist in erster Linie ein Ort des Gebetes und der Sammlung und kein Museum. Seit dem Jahre 1665 – also seit 340 Jahren - versammeln sich an diesem Ort täglich  Menschen, um gemeinsam Tod und Auferstehung Jesu Christi zu feiern. Hier trauern sie um ihre lieben Verstorbenen oder freuen sich bei der Taufe eines Kindes. In dieser Kirche haben unzählige Kinder und Jugendliche das Sakrament der Eucharistie und der Firmung empfangen. Viele Liebende haben einander das Sakrament der Ehe gespendet.

Die Jesuiten-Niederlassung von Leoben geht auf Kaiser Ferdinand II. zurück. 1612 kamen die ersten Jesuitenprediger in die Stadt und 1613 übersiedelten vier Ordensmitglieder (zwei Patres und zwei Brüder) aus Graz in die neue Niederlassung. Mit dem Umzug von 29 Novizen und Patres (aus Brünn)  wurde das Noviziat für die gesamte österreichische Ordensprovinz für die Jahre 1615 bis 1634 in diese Stadt verlegt. Rund 160 Jahre blieben die Jesuiten in Leoben, das sie zu einem der Zentren für Schule und Unterricht, Kunst und Kultur im Lande machten. Mit der Aufhebung der Gesellschaft Jesu 1773 verließ der Orden Leoben; das Gymnasium übernahm der Staat, die Kirche wurde Pfarrkirche (1811).

So wie Leobens Geistesgeschichte ohne den Einfluss der Jesuiten schwer vorstellbar ist, so ist auch die Kunst- und Baugeschichte der Stadt ohne die Gesellschaft nicht denkbar: Die Pfarrkirche Franz Xaver, erbaut von 1660 bis 1665 unter der Leitung des Baumeisters des frühen Barock Pietro Francesco Carlone (um 1610-1681/82), ist ein eindrucksvolles Denkmal der Gegenreformation. Sie gehört zu den frühen Bauten der Steiermark, in denen uns der Typus der Wandpfeilerkirche entgegentritt, der später in den Carlone-Kirchen Frauenberg bei Admont, Schlierbach oder Garsten noch weiter gesteigert wurde.

Man sollte aber auch nicht vergessen, dass Göss bei Leoben, wenn auch nur vierzehn Jahre lang, Bischofssitz und dreiundsiebzig Jahre lang - bis 1859 – eigene Diözese war. Sie wurde auf Wunsch von Kaiser Joseph II. von der Erzdiözese Salzburg abgetrennt. Am 17. März 1786 stimmte Papst Pius VI. der Errichtung zu. Der erste und einzige Bischof Alexander Graf von Engl und Wagrain residierte im Kloster Göss bei Leoben, wo auch ein Domkapitel errichtet wurde. Das Diözesangebiet umfasste die Kreise Bruck an der Mur und Judenburg samt dem Gebiet um Aussee. Es bestand aus 157 Pfarren.

Die Jesuitenkirche war immer auch ein Zentrum von Kunst und Kultur in Leoben. Vieles hat sich hier zugetragen. Wenn die Wände sprechen könnten, so würden sie viel zu erzählen wissen. Vor dem Tabernakel findet der einsame stille Beter seinen Platz. Es werden aber auch grosse Feste gefeiert. Immer aber ist es ein Gotteshaus, in dem wir zu Gast sind und zu Gott mit unseren Anliegen in Freud und in Leid hintreten. Die vielen Heiligen sind Zeugen und Fürsprecher unserer Anliegen.

Aber auch dieser Kirchenführer ist nur ein Provisorium, denn die Kirche wie auch die dazugehörenden Gebäude werden in den nächsten Jahren Jahren in neuem alten Glanz erstrahlen. Manches aber bleibt von Generation zu Generation. Es ist der Gestalt gewordene Glaube, der sich uns vor Augen erhebt. Dieser Kirchenführer soll mithelfen, vielen Besuchern etwas davon sichtbar zu machen und in dieser Kirche selbst den Weg zu Gott zu finden.

Meinen besonderen Dank möchte ich Herrn Univ.-Prof. Dr. Günther Jontes aussprechen, der mit hoher Kompetenz und Liebe zum Detail diesen Kirchenführer geschrieben hat. Weiters sei Herrn Mag. Kurt Lillie gedankt, der aus Anlass des 100-jährigen Bestandsjubiläums seiner „Josefee Apotheke“ die Herstellung maßgeblich gefördert hat.

Dr. Markus J. Plöbst
Stadtpfarrer von Leoben-St.Xaver